Inputs von Masters & Johnson

Inputs von Masters und Johnson

Der Gynäkologe William Howell Masters und die Wissenschaftlerin Virginia Johnson leisteten in den 1950er und 1960er Jahren Pionierarbeit mit Untersuchungen über das menschliche Sexualverhalten. Sie zeichneten die ersten Labordaten über sexuelle Reaktionen des Menschen auf und widerlegten mit ihrer Arbeit viele falsche Vorstellungen über die Sexualität.

Gemeinsam publizierten sie zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Thema menschliche Sexualität. Am bekanntesten ist das Buch Die sexuelle Reaktion, das seit seiner Erstveröffentlichung 1967 mehrfach neu aufgelegt wurde.

Schon vorher hatte Alfred Kinsey zwei Werke über das Sexualverhalten von Männern und Frauen veröffentlicht. Sie waren in ihrer Zeit sowohl revolutionär als auch umstritten. Kinsey hatte durch Befragungen zu erfassen versucht, wie häufig bestimmte Sexualpraktiken in der Bevölkerung auftraten. Im Gegensatz dazu wollten Masters und Johnson die Struktur, Psychologie und Physiologie des Sexualverhaltens untersuchen, indem sie Masturbation und Geschlechtsverkehr m Labor beobachteten und Messungen vornahmen.

Masters und Johnson zeichneten die ersten physiologischen Daten des menschlichen Körpers und der Geschlechtsorgane während sexueller Erregung auf. Außerdem brachten sie mit ihren Ergebnissen und Schlussfolgerungen zum Ausdruck, dass Sex eine gesunde und natürliche Aktivität ist und als Quelle der Freude und Vertrautheit genossen werden kann.

Vier-Stufen-Modell der sexuellen Reaktion

Eins der beständigsten und wichtigsten Ergebnisse ihrer Forschungen ist das Vier-Stufen-Modell der sexuellen Reaktion, das sie den „menschlichen Reaktionszyklus“ nannten, welchen sie in vier Stufen unterteilten:

  • Erregungsphase
  • Plateauphase
  • Orgasmus
  • Rückbildungsphase

Sexuelle Fehlfunktionen

Mit ihrem Versuch, Struktur, Psychologie und Mechanismen der Sexualität zu verstehen, legten Masters und Johnson gleichzeitig den Grundstein für einen theoretischen Ansatz in der Behandlung von sexuellen Fehlfunktionen und -verhalten.

Sie eröffneten in St. Louis eine Klinik zur Behandlung sexueller Probleme wie z. B. Impotenz, vorzeitigen Samenerguss und die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu haben. Ihre Behandlungsmethoden basierten auf den Erkenntnissen ihrer Laboruntersuchungen: Surrogatpartnerinnen wurden zur Behandlung von vorzeitigem Samenerguss empfohlen.

Kritik

Einige Sexualforscher – insbesondere Shere Hite – haben sich darauf konzentriert zu verstehen, wie einzelne Menschen sexuelle Erfahrungen bewerten und was sie für sie bedeuten. Hite kritisierte Masters’ und Johnsons Arbeit, weil sie unkritisch kulturelle Einstellungen zum Sexualverhalten in ihre Forschungen einbezogen hätten.

Hites Arbeiten zeigten zum Beispiel, dass 70 % der Frauen, die beim Geschlechtsverkehr keinen Orgasmus haben, diesen leicht durch Masturbation erreichen können. Sie kritisierte Masters’ und Johnsons Meinung, dass durch die Stöße beim Geschlechtsverkehr die Klitoris ausreichend gereizt würde, um einen Orgasmus zu erreichen, und ihre Folgerung daraus, dass das Versagen hierbei Zeichen einer „sexuellen Fehlfunktion“ der Frau sei. Während sie nicht abstreitet, dass sowohl Kinsey als auch Masters und Johnson äußerst wichtige Schritte in der Sexualforschung taten, ist sie der Meinung, dass man den kulturellen und persönlichen Aufbau der sexuellen Erfahrung verstehen müsse, um Forschungsergebnisse zu erzielen, die auch außerhalb des Labors gültig sind.

Quelle: Wikipedia

AutorIn: 

Sabine Kistler

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