Syndyastische Sexualtherapie nach Beier+Loewit

Bildquelle: Klaus Beier, http://www.dgsmtw.de

Dr. Klaus Beier und Prof. Dr. med. i.R.Loewit Kurt sind die Vertreter der syndyastischen Sexualtherapie in Deutschland bzw. Österreich. Klaus Michael Beier (* 1961) ist ein deutscher Mediziner, Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler. Er ist Direktor des Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité in Berlin.  Der Co-Autor des Buches und der Methodik ist Prof. Dr. med. i.R. Kurt Loewit aus Österreich.

Kernpunkte

  • gestörte Sexualfunktion steht nicht im Zentrum - sondern die unerfüllte Bedürfnislage des Paares
  • ausgehend von drei elementaren Dimensionen von Sexualität: Bindung, Lust und Fortpflanzung geht es um:
  • angstfreie und lustvolle Körperkommunikation
  • Mobilisierung der Selbstheilungskräfte des Paares
  • prinzipielle Beteiligung beider PartnerInnen
  • konzentrierte und strukturierte Hilfe für beide
  • schulen- und fächerübergreifendes Behandlungskonzept

 

Syndyastische Sexualtherapie setzt an den Wurzeln an, indem sie nicht die gestörte Sexualfunktion in den Mittelpunkt der Behandlung stellt, sondern eine häufig zu Grunde liegende frustrierte Erfüllung der beschriebenen Grundbedürfnisse in der partnerschaftlichen Beziehung, durch deren (Wieder-) Herstellung sich gestörte Sexualfunktionen (bei Bedarf auch mit medikamentöser Unterstützung) ebenfalls wieder regenerieren können.

Syndyastisch bedeutet = beziehungsfestigend und bindungsstabilisierend

 


Verbindungen zur Psychodrama-Sexualtherapie

Der Ansatz der syndyastischen Sexualtherapie ist der Psychodrama-Sexualtherapie in einigen Punkten ähnlich, zum Beispiel der Punkt mit der unerfüllten Bedürfnislage - diese ist nicht nur auf die sexuelle Ebene einzuschränken. Es ist gut so, die PatientIn nicht nur auf ihre Störung zu reduzieren.

Ein wichtiger Unterschied ist jedoch der, dass in der PD-Sexualtherapie Symptome bei Bedarf sehr wohl ins Zentrum gestellt werden können und der/die TherapeutIn diese über psychodramatische Mittel "sprechen" lassen. Die "Geschichte der Störung" kann inszeniert werden und liefert wichtige Erkenntnisse. Hinzu kommt, dass die PD-Sthp bei Bedarf auch trauma-therapeutische Ansätze einsetzt. Nicht selten liegen einer Sexualstörung traumatische Erfahrungen zu Grunde.

Bindungsfördernd zu wirken, dafür stehen einem klassischen Psychotherapieverfahren wie dem Psychodrama einige Möglichkeiten zur Verfügung. Das Psychodrama bringt Konzepte davon mit, wie sich Beziehungen entwickeln, wie der Mensch Beziehung entwickelt und auch ein störungsspezifisches Vorgehen. Schließlich gestalten wir mit unseren KlientInnen ein Feld, in dem fehlende Rollenerfahrungen erstmals / oder neu erlebt werden können.

Die syndyastische Sexualtherapie ist methoden- und fächerübergreifend. Mir erscheint sie zudem als eine Anleitung zu einer "guten Haltung" z.B. für MedizinerInnen oder PsychologInnen, die mit sexualtherapeutischen Fragen besser umgehen wollen. Also z.B. weg vom störungs"fixierten" Denken.

Gedanken

Braucht die Ausübung von Sexualtherapie nicht doch eine Therapieausbildung? Manche der therapeutischen Haltungen, die Beier/Loewit im Buch beschreiben und dazu recht gute anschauliche Anleitungen geben, kommen mir als Teil der eigenen Psychotherapie Ausbildung recht bekannt vor. Die im Buch beschriebenen Haltungen wachsen auf dem Boden der Lehr(psycho-)therapie, Selbstreflexion, geleitete Gruppenerfahrungen verbunden mit theoretischem Background die allesamt Zeit brauchen.

Meine Überzeugung ist es, dass Sexualtherapie in die Hände von PsychotherapeutInnen (durchaus auch schulenübergreifend) oder ÄrztInnen mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation gehört, weil dadurch eine intensive Auseinandersetzung mit Eigenanteilen gesichert ist.

Unbeantwortete Fragen

  • Wie klassifiziert die syndyastische Sexualtherapie Bindungsstörungen und wie werden diese störungsspezifisch behandelt? 
  • Selbstheilungskräfte sind bekannt, aber wie fördert man diese? Welches Persönlichkeitsbild steht dahinter? 
  • Wie geht man mit sexuellen Traumata gezielt und förderlich um? Wie werden diese erklärt?
  • Wie werden KlientInnen begleitet, ihr Handlungsrepertoire im syndyastischen Sinne zu erweitern?

 

Die Methode syndyastische Sexualtherapie wurde hier erwähnt, weil sie ein ressourcenorientiertes Vorgehen vertritt.

 


Quellen:

Beier / Loewit, Lust in Beziehung, Einführung in die Syndiastische Therapie

Link: http://syndyastische-sexualtherapie.info


 

Autor: Martin Geiger, MSc; Psychotherapeut in NÖ Mistelbach, Absolvent des ersten Psychodrama-Sexualtherapie Lehrgang 2013, Wien und Linz

AutorIn: 

Martin Geiger, MSc

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