Inputs von David Schnarch

David Schnarch, SexualtherapeutDavid Schnarch

Jahrgang 1946), amerikanischer Arzt (Urologe), Paar- und Sexualtherapeut, Klinischer Psychologe.

Die reife Form von leidenschaftlicher Partnerschaft gelinge dann, wenn sich beide unabhängig vom Urteil des anderen machten.  Um emotional im Gleichgewicht zu sein, nennt Schnarch vier zentrale Fähigkeiten:

Vier Aspekte der Balance nach D. Schnarch

  1. Der erste Aspekt schafft Klarheit darüber, wer man selbst ist, welche Wünsche und Ziele man verfolgt. Nähe zulassen zu können, auch wenn man sich nicht den Wünschen und Vorstellungen des Partners anpassen möchte.
  2. Der zweite Aspekt betrifft die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen und zu trösten.
  3. Der dritte Aspekt beruht auf den Bemühungen, sich in den anderen einzufühlen und auf schwierige Situationen ruhig und gelassen zu reagieren.
  4. Der vierte Aspekt lässt Kummer  leichter ertragen, wenn man die Gewissheit hat, dass dadurch eine Weiterentwicklung möglich wird.

Für die Psychodrama Psychotherapie sind Schnarchs Überlegungen mit den psychodramatischen Entwicklungsebenen konsistent:

Psychosomatischen Ebene

Auf der psychosomatischen Ebene stehen Nähe und Bindung im Vordergrund, der Basis für das Empfinden von Selbstwirksamkeit  und Sicherheit. Schnarch bestätigt, dass sich der Beginn einer Beziehung deshalb so gut anfühlt, da die Liebenden einander spiegeln, also positives Feedback von einander erhalten.

Psychodramatische Ebene

Damit Liebe aber atmen kann, ist es wichtig, sich nicht nur mit dem Partner/der Partnerin zu befassen, sondern auch mit sich selbst. Die Pole von Nähe und Distanz, der Wunsch nach Verschmelzung und  Abgrenzung ermöglichen erst die Wahrung der eigenen Integrität. Selbstoffenbarung schafft Intimität (Psychodramatische Ebene). Laut Schnarch hat es keinen Sinn, sich in der Paarbeziehung einen Schutzraum sichern zu wollen.

Sex wird dann besser, wenn  “.. man sich aus der Alltäglichkeit befreit, nur die Dinge anzusprechen, die der Partner akzeptiert und hören will.“

Schnarch bezeichnet diese Form von Konfrontation in seinem Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“, Differenzierung. Konflikte und Unzufriedenheiten im Bett seien laut Schnarch die beste Möglichkeit, Situationen zu begreifen und zu verändern.

Soziodramatische Ebene

Begegnung erreichen Paare im Handeln und in einem lebendigen Dialog, mit der Fähigkeit sich in den Anderen hinein zu denken, einer Kompetenz, die Sexualität intimer und erfüllender macht .(Soziodramatische Ebene).

 

Schnarch distanziert sich von verhaltenstherapeutischen Übungsprogrammen, wie sie von amerikanischen Sexologen namens Wilhelm Masters, Virginia Johnson oder Helen Singer Kaplan ausgearbeitet wurden.

Der Fokus liegt seiner Erfahrung nach nicht auf dem bloßen physiologischen Funktionieren, sondern darin, sexuelle Intimität und Erotik zu ermöglichen. Sexuelle Intimität entstehe nur, wenn sich die Partner mit all ihren Gefühlen und Ausdrucksmöglichkeiten so zeigen, wie sie wirklich sind, verbunden mit dem Risiko, dass ein Partner darauf nicht unbedingt empathisch reagiert.

Sein Konzept unterscheidet sich vom Mainstream amerikanischer  Paartherapie insofern, als der Hauptakzent nicht auf gegenseitiger emotionaler Unterstützung basiert. Der Umgang mit Krisen, Enttäuschung und der Mut zum Widerstand der Partner erzeuge erst den Anreiz für gemeinsames Wachsen und erfüllende Sexualität.

In meiner praktischen Arbeit hat sich gezeigt, dass Paare vorgeschlagene Übungen der Therapeutin sehr gerne annehmen mit dem Ziel sich gegenseitig zu beruhigen und um wieder zu lernen, einander liebevoll zu berühren. Zu bemerken ist allerdings, dass Paare mitunter auf  unterschiedlichen Entwicklungsstufen  stehen und die von Schnarch erforderlichen vier Aspekte für gelingende Beziehung eine Überforderung bedeuten würde. Hier stellt sich die Frage, ob guter Sex somit nur möglich ist, wenn beide Partner die vier Aspekte beherrschten. Diese Sichtweise käme der nicht erstrebenswerten Forderung nach perfekten Zielen gleich.

In der Psychodrama Paartherapie ist Schnarchs Theorie gut einsetzbar, da die Integration von Gefühlen, der Perspektivenwechsel und der Mut Neues auszuprobieren, mit dem Ziel handlungs-, liebesfähig und lebendig zu sein, wichtiger Bestandteil sind.

 


Quellen:

Intimität und Verlangen, 2009

Die Psychologie sexueller Leidenschaft, 2009

Zeit-online Artikel

AutorIn: 

Regina Beer, MSc

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