Pornoschauen und Partnerschaft

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Ich habe meinen Partner schon einige Male beim Pornoschauen ertappt. Es stört mich dass er das tut, er hingegen findet mich kleinlich und zickig. Wir streiten oft deswegen, wie kommen wir da heraus?

Hier die Antwort unseres Fachteams ... störender Pornokonsum ist ein verbreitetes Thema in Beziehungen. Mit drei Klicks zu erotischen Bildern und Videos, das hat für manche Männer Suchtpotential. Wir meinen, dass alle Verhaltensweisen, die eine|n der PartnerInnen stören, grundsätzlich ernstzunehmen und zu klären sind. Ob es der Pornokonsum oder bestimmte Lebensgewohnheiten sind. Es ist daher berechtigt, die Störung anzusprechen. Mit zickig oder prüde hat dies nichts zu tun. Beim Porno berührt der Umgang mit dem "Konsumgut" eine ganz persönliche Sphäre beider. Dabei besteht seelische Verletzungsgefahr, denn es geht um die Vorstellung und die gemeinsame Praxis von Intimität. In besonderem Maße aber um die Frage, wer oder was im Fokus des Begehrens stehen will/soll/darf. Dies ist letztlich eine Abmachungssache. Schauen sich beide gerne Pornos an, no problem. Stört es die Partnerin nicht, ebenfalls no problem. Wichtig zu klären ist auch, was die "Nebenwirkungen" des Pornokonsum sind. Die Stunden alleine vor dem Bildschirm fehlen möglicherweise der Partnerschaft, die Überreizung kann mit der Zeit eine Abstumpfung bewirken und die Fixierung auf visuellen Sexkonsum wird Spuren im Freizeitverhalten hinterlassen. Es würde sich lohnen nachzusehen, welcher "Hunger" oder welche Sehnsüchte über den Pornokonsum ersatzweise zu stillen versucht werden. Martin Geiger, http://w4psy.at

Ergänzung:

In den letzten Jahren hat sich die Vermutung verdichtet, dass der Konsum von Sozialen Medien, Dauerfernsehen und -serienschauen, Onlinespielen und natürlich auch von Pornos zu Depressionen und sozialem Rückzug führen kann und auch sehr häufig führt. Unter anderem wegen der Übermüdung, weil eben zu viel Zeit damit verbraucht wird! Das neigt sich immer mehr in Richtung: problem!

Pornos sind insoferne so problematisch als sie die Vorstellung von Sex und wie man Sex haben will stark verändern. Es wird mehr nach besonderen und für Frauen auch schmerzhaften Praktiken verlangt, das ist nicht gut. Insbesondere sehr junge Menschen sind davon betroffen, da sie oftmals über Pornos aufgeklärt wurden und bereits mit 10 Jahren angefangen haben sie zu konsumieren.Wir empfehlen daher einmal Pornos ganz weg zu lassen und darauf zu vertrauen, dass die Wirkung sehr angenehm sein wird: Es kommt wieder die Phantasie ins Spiel und die Erotik. Es braucht nur Zeit bis es wirkt, der Weg ist aber wie ein Entzug.

Zum Thema Süchte ohne Substanz, wie eben Pornos, gibt es das Buch von Kurosh Yazdi: "Junkies wie wir" als Empfehlung. 

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