Reflexion als Absolvent

Bericht aus der Rolle eines Absolventen

Alle  PsychotherapeutInnen setzen sich im Rahmen der Eigentherapie mit ihrer persönlichen Anteilen auseinander und lernen so die zu erlernende Fachrichtung auch an eigenen Themen kennen. Ein offenes Geheimnis ist, dass Sexualität in vielen Fachspezifika viel zu wenig Raum bekommt. Auch der Umgang mit Körperlichkeit und Scham in der Therapie ist bei vielen TherapeutenkollegInnen ähnlich tabuisiert.

Für einen künftigen Paar- und Sexualtherapeuten bedeutete dies ein Auftrag dazu, die eigene Sexualität nochmals unter die Lupe zu nehmen.

Um sich  aktiv mit den „weißen Flecken“ auf der inneren Entwicklungslandkarte beschäftigen zu können braucht(e) es neben einer vertrauensvollen Beziehung, einem sicheren Gruppenklima vor allem eine liebevolle Einladung dazu. Das war in dieser Weiterbildung geboten und hat mir eine Begegnung mit folgenden Fragen gebracht:

Wie habe ich lieben gelernt? Wie sahen die ersten (Liebes-)Beziehungen aus, wie die jetzigen? Wo liegen die Verletzungen und was hat sich daraus  an Vermeidungen und Unerfülltes ergeben? Sind diese wahrnehmbar, wann tauchen sie auf? Sind Verletzungen heilbar und was erleben wir dabei als hilfreich / was weniger? Wie fühlt es sich an, mit den Verletzungen auf die Therapiebühne zu gehen?

Mit diesen Fragen bin ich seit der Weiterbildung verbunden und habe auch durch die Leitung sehr hilfreiche Impulse erhalten. Über Psychodrama als Basiswerkzeug konnten wir viele Tools erst einmal im eigenen Entwicklungsvorgang kennenlernen. Bekanntlich (er)halten wir PsychodramatikerInnen weniger die Theorievorträge sondern wir erfahren die entscheidenden Dinge häufig "in actio" und in der ICH-DU Begegnung. Deswegen treffen wir uns weiterhin zum gemeinsamen Austausch und zur sexualtherapeutischen Supervision. Unsere Internetplattform übernimmt immer wieder die Rolle der Theoriebildung und theoretischen Vertiefung. Viele "inhaltlichen Module" sind über die Plattform hinzugekommen, ohne dass sie je im Ausbildungscurriculum gestanden sind.

Meine Vorteile seit Ausbildungsabschluss

  • Allem voran einen erweiterten Horizont für das eigenen Beziehungsgeschehen – auch für die „unbequemen Anteile“,
  • höhere Sensibilität für meinen Körper -  hilft bei der Entwicklung von Liebesfähigkeit
  • bin mutiger im Ansprechen und im respektvollen Erforschen sexueller Fragen bei meinen KlientInnen, was diese sehr oft als erleichternd beschreiben,
  • mein Wissensstand über Sexualität ist beträchtlich gewachsen. Dazu hat vor allem die Ausbildungsgruppe sehr viel beigetragen (Wissen aus der Gruppe für die Gruppe)
  • Durch unsere virtuelle Vernetzungsplattform wächst ein praxisbezogener Wissensstand laufend weiter an.
  • Falls ich einmal nach einer Therapiestunde oder schwierigen Anfrage nicht mehr weiter weiß, kann ich ganz entspannt bleiben –  wir tauschen unsere Erfahrungen fortwährend aus.
  • Peinlichkeit?  Vermeiden brauche ich (fast) nichts mehr. Blockaden, aber was noch viel wichtiger ist: Manche offene Türe im Entwicklungsprozess sehe ich nun deutlicher. Vermeiden würde ja bedeuten, dass durch (Therapeuten-)eigenen Widerstand wichtige Themen der KlientInnen nicht auf den Tisch kommen können.
  • Sexuelle Reifung wurde/wird so zu einem faszinierenden Vorgang, den ich sehr schätze.
  • Nebenbei bin ich mit traumatherapeutischen Techniken und interessanten anderen Ansätzen meiner KollegInnen bekannt geworden und bringe natürlich auch meine Erkenntnisse gerne ein.
  • Wir haben schon im Verlauf der Ausbildung und danach gemeinsam eine "riesige Spielkiste" befüllt (und bekommen), gewissermaßen ein Füllhorn, dem nie die kreativen Möglichkeiten und die Spontaneität ausgehen werden.

 

Mit Freude warte ich auf die Begegnung mit neuen KollegInnen im 3. Lehrgang, die unsere Erfahrungsbühne erweitern wird und denen wir gerne support geben!

Herzlich Willkommen!

 


Martin Geiger, MSc - Psychotherapeut, Paar- und Sexualtherapeut in Mistelbach - Absolvent LG 1

AutorIn: 

Martin Geiger, MSc

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