Reflexion als Absolvent

Bericht (aus der Rolle) eines Absolventen

Alle  PsychotherapeutInnen setzen sich im Rahmen der Eigentherapie mit ihrer persönlichen Anteilen auseinander und lernen die zu erlernende Fachrichtung auch an eigenen Themen kennen. Sexualität bekommt in vielen Fachspezifika viel zu wenig Raum. Später in der TherapeutInnenrolle ist dann der Umgang mit Körperlichkeit und Scham in der Therapie ähnlich tabuisiert. Für künftige Paar- und SexualtherapeutInnen bedeutete dies jedenfalls den Auftrag dazu, die eigene sexuelle Entwicklung nochmals unter die Lupe zu nehmen.

Um sich  aktiv mit den „weißen Flecken“ auf der eigenen Entwicklungslandkarte beschäftigen zu können braucht(e) es neben einer vertrauensvollen Beziehung, einem sicheren Gruppenklima vor allem eine liebevolle Einladung dazu. In der Weiterbildung haben wir beispielsweise an folgenden Fragen gemeinsam gearbeitet:

Wie habe ich lieben gelernt? Wie sahen die ersten (Liebes-)Beziehungen aus, wie die jetzigen? Wo liegen die Verletzungen und was hat sich daraus  an Vermeidungen oder Unerfülltem ergeben? Sind diese wahrnehmbar, wann tauchen sie auf? Sind Verletzungen heilbar und was ist dabei als hilfreich / was weniger? Wie fühlt es sich an, mit den Verletzungen auf die Therapiebühne zu gehen?

Zu diesen Fragen haben wir auch durch die Leitung hilfreiche Impulse (role-models) erhalten. Über Psychodrama als Basiswerkzeug konnten wir viele Tools erst einmal im eigenen Entwicklungsvorgang kennenlernen. Bekanntlich (er)halten wir PsychodramatikerInnen weniger die Theorievorträge sondern wir erfahren die entscheidenden Dinge häufig "in actio" und in der ICH-DU Begegnung. Deswegen treffen wir uns weiterhin zum gemeinsamen Austausch und zur sexualtherapeutischen Supervision. Unsere Plattform liebesexundtherapie.at übernimmt immer wieder eine Rolle in der theoretischen Vertiefung, der Intervision und der Entwicklung neuer Ansätze.

Vorteile seit Ausbildungsabschluss

  • Allem voran brachte die Weiterbildung einen erweiterten Horizont für das eigene Beziehungsgeschehen – auch für die „unbequemen Anteile“,
  • höhere Sensibilität für meinen Körper -  was bei der Entwicklung von Liebesfähigkeit hilft,
  • mehr Mut im Ansprechen & respektvollen Erforschen sexueller Fragen bei KlientInnen, was von diesen sehr oft als erleichternd erlebt wird,
  • der Wissensstand über Sexualität ist beträchtlich gewachsen. Dazu hat vor allem die Ausbildungsgruppe sehr viel beigetragen (Wissen aus der Gruppe für die Gruppe, getreu dem Motto von J.L.Moreno: Gruppentherapie ist Therapie in, durch und für eine Gruppe)
  • Durch unsere virtuelle Vernetzungsplattform wächst ein praxisbezogener Wissensstand laufend an.
  • Falls ich einmal nach einer Therapiestunde oder schwierigen Anfrage nicht mehr weiter weiß, kann ich ganz entspannt bleiben –  wir tauschen unsere Erfahrungen fortwährend aus.
  • Im Sinne einer Qualitätssicherung und -förderung kommen wir zu Intervision und Supervision regelmäßig zusammen.
  • Peinlichkeit?  Vermeiden brauche ich (fast) nichts mehr. Blockaden, aber was noch viel wichtiger ist: Manche offene Türe im Entwicklungsprozess sehe ich nun deutlicher. Vermeiden würde ja bedeuten, dass durch (Therapeuten-)eigenen Widerstand wichtige Themen der KlientInnen nicht auf den Tisch kommen können.
  • Sexuelle Reifung wurde/wird so zu einem faszinierenden fortwährenden Vorgang, den ich sehr schätze.
  • Nebenbei bin ich mit traumatherapeutischen Techniken und interessanten anderen Ansätzen meiner KollegInnen bekannt geworden und bringe natürlich auch meine Erkenntnisse gerne ein.
  • Wir haben schon im Verlauf der Ausbildung und danach gemeinsam eine "riesige Werkzeugkiste" befüllt (und bekommen), gewissermaßen ein Füllhorn, dem nie die kreativen Möglichkeiten und die Spontaneität ausgehen werden.

 

Mit Freude begrüße ich unsere neuen KollegInnen, welche diese Erfahrungsbühne erweitern werden!

Herzlich Willkommen!

 


Martin Geiger, MSc - Psychotherapeut, Paar- und Sexualtherapeut in Mistelbach - Absolvent LG 1

AutorIn: 

Martin Geiger, MSc

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