Buchrezensionen

Sie befinden sich in unserer Büchersammlung. Erfahrene KollegInnen haben sich die Zeit genommen und Bücher zum Thema Liebe, Sex und (Psycho-)therapie gelesen und dazu Kurzfassungen geschrieben. Die Kommentare entsprechen der persönlichen Meinung der jeweiligen AutorInnen. Falls Sie auch Lust bekommen haben, ein Buch das zu unserem Themenbereich passt zu rezensieren, können Sie gerne mit der Redaktion Kontakt aufnehmen. Gute Beschreibungen werden mit einem Link zu Ihrer website belohnt.

Liebespraxis Eine Sexologin erzählt

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Ann-Marlene Henning

Rowohlt Polaris, Reinbek bei Hamburg Mai 2017, 286 Seiten.

ISBN 978-3-499-63318-8

Ziel der Autorin Ann-Marlene Henning ist es deR LeserIn einen Einblick in das Berufsfeld deR SexologIn/ SexualtherapeutIn zu geben. Sie möchte darlegen, mit welchen Anliegen man in ihre – wie jede andere Sexualtherapeutische und/oder Sexologische – Praxis kommen und in welcher Form man sich Unterstützung erwarten kann. Die Autorin möchte mit diesem Buch nicht nur für das Thema Sex begeistern, sondern Wege aufzeigen, wie man im eigenen Sexleben den nächsten Schritt gehen kann. Ihr Vorhaben dies in einer fachlichen und zugleich entspannten, humorvollen Sprache zu tun, um Jung und Alt damit zu erreichen, finde ich wunderbar gelungen.

 

Frau Henning schafft es nicht nur mit ihrer Sprache sehr gut, dass ich mich als LeserIn in ihrem Buch angesprochen fühle und mich wieder erkennen kann. Dies gelingt ihr meiner Ansicht nach vor allem mit ihrer persönlichen Haltung. Diese wird deutlich, indem sie auf Augenhöhe schreibt, in den Momenten wo sie „eine von uns“ LeserInnen wird und über sich persönlich erzählt. Auf den Punkt bringt sie es mit dem Satz „Therapeuten sind Menschen, genau wie ihre Klienten.“ (S.110)

 

Daran knüpft eine wichtige Botschaft des Buches an, nämlich dass Sexualität etwas ist, das man (für sich alleine und miteinander) lernen kann, ein Leben lang, immer wieder neu. „Frauen können lernen, zu einem Orgasmus zu kommen“ (S. 28.), ebenso wie Männer lernen können, ihren Orgasmus zu steuern. (Kap11) „Wie sich die eigene Sexualität entwickelt, wie sich Beziehungsmuster gestalten, hat viel mit den Erfahrungen zu tun, die wir als Kinder machen. Kinder üben im Kontakt mit anderen, Gefühle zu zeigen, zu kommunizieren, Freude und Genuss zu erleben.“ (S.140) Fähigkeiten, die wir für unsere spätere erwachsene Sexualität brauchen. Um die eigene und gemeinsame Sexualität weiterzuentwickeln, muss man sich für sie interessieren, neugierig sein, gewohnte Pfade verlassen, Neues wagen und darüber ins Gespräch kommen.

 

Hierfür liefert die Autorin eine Reihe Handwerkszeug und Gesprächsstoff. Sie bietet leicht aufbereitetes Wissen anstelle von Halbwissen und Klischees. Mit diesen räumt die Autorin auf, klärt gängige sexuelle Mythen und nimmt Tabus in Angriff, indem sie an ihre Stelle Informationen und fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse setzt. Ihre Haltung ist ganz klar und aus kollegialer ebenso wie persönlicher Perspektive erfrischend: „Über Sex und Liebe kann und muss wissenschaftlich geredet werden. Vielen passt das nicht ins romantische Konzept, aber Sex und Liebe sind nun mal auch biochemische Vorgänge.“ (S. 132) Daher kommt auch die neuropsychologische und -biologische Sicht nicht zu kurz, indem uns Frau Hennig auch in verständlicher und nützlicher Form über Hormone und das Gehirn erzählt.

 

Das Sexologische Konzept/Modell des Sexocorporel, das der Autorin in ihrer Arbeit als Sexologin, Sexualtherapeutin zu Grunde liegt, wird in Kapitel 10 sehr kompakt und gut verständlich beschrieben. Es baut auf der Sichtweise auf, dass die Sexualität eines jeden Menschen auf einer bestimmten Logik funktioniert und es daher in der Therapie wichtig ist, diese Logik zu verstehen. Die klare Struktur der Anamnese und Grundlage für Interventionen ist die Einteilung in vier verschiede Kugeln/Bereiche: die Kopfkugel, die Paarkugel, die Wahrnehmungskugel und die Körperkugel. Die Autorin stellt fest, dass in ihrer Rolle als Sexologin der Focus klar darauf gelegt ist, wie man wieder guten Sex bekommt. „Liebend oder nicht liebend. Wie man es eben mag.“ (S. 161) In unserer Rolle als TherapeutInnen geht es nicht darum die Sexualität von anderen Menschen zu bewerten, auch das wird damit klar zum Ausdruck gebracht. Und dass viele sexuelle Probleme losgelöst vom Konzept der Liebe (Paarkugel) behandelt werden können.

 

Darüber hinaus beschreibt die Autorin sehr anschaulich ein Konzept (nach Schnarch) von drei unterschiedlichen Beziehungsdynamiken: die Symbiose, den Kampf und dieDifferenzierung und ihre Auswirkungen auf die Sexualität. Durch die dargestellten Fallgeschichten, kann ich mir als LeserIn gut vorstellen, was darunter auch im Alltag gemeint ist. Sie schreibt: „Symbiotische Paare haben nämlich ein großes Problem: Demonstriert einer der beiden Unabhängigkeit, zum Beispiel indem er eine Meinung vertritt, die der andere womöglich nicht teilt, wird dieser unsicher.“ (S.21) Symbiotischen Paaren fehlt oft etwas Wichtiges, das man für Sex braucht, nämlich Verlangen. In einer symbiotischen Beziehung in der „jeder fürchtet, der andere könnte etwas nicht mögen, traut sich keiner etwas Neues zu versuchen.“ (S. 20) Damit etwas Neues entstehen kann, braucht es ein wenig „Fremdsein“ und dafür braucht es die Differenzierung. „Am wichtigsten ist es, dass ich bei mir bleibe. Wenn ich weiß, wer ich bin, lebt es sich entspannter, muss ich weniger kämpfen und kann mich besser und differenzierter auf Nähe zu einem anderen (geliebten) Menschen einlassen.“ (S. 39)

 

Symbiotische Beziehungen können manchmal auch zu einzelnen oder beiden Elternteilen bestehen. Auch diese wirken sich auf die Gestaltung von Liebesbeziehungen und die Sexualität im Erwachsenenalter aus. „Scham, moralische oder emotionale Verbote – es kann gar nicht genug betont werden, wie sehr wir eingefärbt von den Vorstellungen und Werten unserer Eltern sind. Und von ihren Ängsten. Das alles ist normal, aber solange wir zu unseren Eltern starke symbiotische Gefühle hegen, wird es schwer, eigene Lebens- und Liebeskonzepte zu entwickeln.“ (S.130) Gut, dass die Autorin auch einige Möglichkeiten aufzeigt, wie die notwendige Differenzierung gelingen kann.

 

Nicht jedE KlientIn oder jedes Paar bleibt so lange in Therapie bis es für sich eine Lösung gefunden hat. (Den Anschein hat es zumindest für uns TherapeutInnen) Auch diese beschreibt Frau Henning. Und es entsteht der Eindruck, dass sie gar nicht so selten vorkommen, die Fälle wo eine Therapie abgebrochen wird, an dem Punkt an dem bewusst wird, dass für den nächsten Schritt eine Veränderung anstehen würde. „Es war ein ehrliches Eingeständnis von Hannes gewesen, mit dieser Offenheit hätte ich eine Paartherapie beginnen können. Aber ein nächster Termin wurde nie vereinbart. Ich weiß nicht, wie es den beiden heute geht.“ (S. 212)

 

Interessant könnte auch das aus unterschiedlichen Perspektiven behandelte Thema der Untreue sein. Immer wieder bietet das therapeutische Setting einen geschützten Rahmen um schwierige Themen/ Gefühle/ Ansichten/ Neigungen/ sich zu „offenbaren“. „Dass [Saschas Frau] so freimütig ihre Affäre zugab, zeigte mir, dass sie Veränderung wollte und es jetzt darauf ankommen ließ.“ (S. 92) Die wertschätzende/ neutrale Haltung der Therapeutin macht es gerade bei schwierigen Themen möglich im Gespräch zu bleiben und alle Facetten zu thematisieren. Frau Hennig beschreibt in Kapiteln 3 wie ihr die Fähigkeit des Mindmappings hier behilflich sein kann. Wir können die Gestik unseres Gegenübers lesen, die Mimik, das Verhalten, was eR sagt und auch nicht sagt, wie eR es sagt. Wir nehmen wahr und interpretieren aufgrund von Erfahrungen, Antizipation und Selbstschutz, um unser Verhalten daran zu orientieren. Die Autorin beschreibt das Mappen auch im Zusammenhab mit Untreue und sagt hierzu, dass untreue Partner diese Technik bisweilen bis zur Perfektion beherrschen würden. Denn sie würden nicht nur maskieren, sondern auch falsche Tatsachen in den Kopf des Partners pflanzen.

 

Ein weiteres Beispiel das die Autorin aufgreift ist die vorzeitige Ejakulation des Mannes. Sie beschreibt dass „[b]ei jeder Art von Befürchtungen – also auch bei der Angst zu früh zu kommen – […] das Warnsystem im Gehirn alarmiert [ist]. Es aktiviert die drei Möglichkeiten des Umgangs mit der potenziellen Gefahr: weglaufen, angreifen oder erstarren. Für welchen Weg man sich – mehr unbewusst als bewusst – auch entscheidet, eines ist klar: Für Genuss und Entspannung ist jetzt gerade definitiv keine Zeit!“ (S. 181) Hervorheben möchte ich auch ihre Feststellung, dass SexualtherapeutInnen das Zu-früh-kommen immer als Paarproblem sehen würden, und es vor allem die Aufgabe des Mannes ist, seine Erregung besser kennen und steuern zu lernen.

 

Abschließend kann man sagen, dass das Buch absolut dem Zeitgeist entspricht. Es beinhaltet eine gute Mischung aus interessanten, nachvollziehbar dargestellten Fallgeschichten, Übungen, autobiografischen Schilderungen und leicht verständlichen, wissenschaftlichen Unterfütterungen. Es ist (höchste) Zeit in dieser erwachsenen Form über Sexualität ins Gespräch zu kommen, in Beziehungen und als Gesellschaft. Hierfür scheint sich das Modell des Sexocorporel sehr gut zu eignen.

 

Vielen Dank an Frau Hennig für dieses wunderbare Buch. Mich hat es begeistert und ich kann es FachkollegInnen ebenso wärmstens empfehlen wie Frauen und Männern, Singles und Paaren, die darüber nachdenken sich sexualtherapeutische oder sexologische Unterstützung zu holen, oder es bereits tun.

 

 

Buchautorin: 
Ann-Marlene Henning arbeitet als niederlgelassene Sexologin Paar- und Sexualtherapeutin in Hamburg. Sie ist mit ihren Aufklährungsbüchern Make Love für Jugendliche und Make more Love für Erwachsene bekannt geworden.
Lesewert: 
Sehr lesenswert für Menschen, die ihre Sexualität in ihren Beziehungen mehr zum Gesprächs-Thema machen möchten.
Rezensorin: 
Daniela Trattnigg arbeitet als niedergelassene Psychotherapeutin, Paar- und Sexualtheraeptuing in Klagenfurt am Wörthersee www.freiraum-daniela-trattnigg.at
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Sonja Hintermeier Psychodrama-Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen

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Kurzrezension und Buchempfehlung

Sonja Hintermeier hat ein Buch über Persönlichkeitsstörungen aus psychodramatischer Sicht geschrieben. Für diejenigen, die sie noch nicht kennen: Sie ist Psychodramalehrtherapeutin aus dem Psychodrama-Lehrkörper.

Beim dem von ihr vorgelegten Buch handelt es sich um ein sehr gut gelungenes Fachbuch, weil die Autorin sehr viel von ihrer Arbeit anhand von Fallbeispielen aus ihrer Praxis zeigt und somit auch nicht nur theoretisch bleibt. Sie vermittelt die Psychodramarollentheorie als Basis der Behandlung, auch die Grundlagen dieser Störungen werden ausführlich erörtert. Diese sieht sie in der gestörten Rollenentwicklung aufgrund der gelungenen Anpassung an schwierige Umstände (S. 137ff). Demgemäß sind die problematischen und traumatischen kindlichen Beziehungserfahrungen dafür zentral verantwortlich. 

Sie baut in ihrer praktischen Arbeit auf Bindung und sichere stabile Beziehungsgestaltung mit Bescheidenheit und Geduld als Grundlagen (S.163). Anregungen für Übungen in der Anwärmphase und weitere Empfehlungen unterstützen den Verständnisprozess.

Das Buch passt sehr gut zu sexual- und liebestherapeutischer Arbeit: Das Thema Komorbidität mit Sexualstörungen wird in diesem Buch allerdings nicht behandelt, was uns gespannt auf den zweiten Band warten lässt. Dies erscheint insoferne als wichtig, da die Verknüpfung von Sexual- und Persönlichkeitsstörungen ja die Regel ist, da psychosexuelle und Persönlichkeitsentwicklung untrennbar miteinander verknüpft sind.

Sogar als Einführung in die Grundlagen der Psychodramatherapie ist dieses Buch geeignet.

Das Buch kann von Herzen zur Lektüre und zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Persönlichkeitsstörungen empfohlen werden. Es ist auch für interessierte Laien gut lesbar.

Zahlt sich auf jeden Fall aus, es zu kaufen und zu lesen.

Buchautorin: 
Frau Mag. Sonja Hintermeier, Psychodrama(-lehr)therapeutin
Lesewert: 
Inhaltlich gut aufgebautes Psychodramafachbuch, viele Anregungen zum Einbauen in die eigene Arbeit. Gute Einführung in die Persönlichkeitsstörungen
Rezensorin: 
Wolfgang Hofer, MSc, Psychodrama(-lehrtherapeut), Leiter der Weiterbildung Sexualtherapie im ÖAGG
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Rezension: Der erotische Raum

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Der erotische Raum.

Fragen der weiblichen Sexualität in der Therapie

Angelika Eck (Hrsg.) Carl-Auer Verlag. Systemische Therapie. (Heidelberg) 2016, 240 Seiten; ISBN 978-3-8497-0096-6

Die Rezension Der erotische Raum als pdf.

Erklärtes Anliegen der Herausgeberin ist es, Sexualtherapeuten_innen, Psychotherapeuten_innen sowie systemische Berater_innen dafür zu erwärmen, ihre therapeutischen Räume für Fragen zur weiblichen Sexualität zu öffnen und die Problematik in wertschätzender Weise aktiver aufzugreifen.

Viele Frauen würden sich wünschen, so der Tenor des Buches, Anschluss an ihre ganz individuelle Erotik zu finden. Jedoch sei der Zugang bisher für sie noch schwierig weil das Thema Sexualität auch in diesem Setting vielfach nur sehr oberflächlich berührt wird.

Die fundierten Buchbeiträge wurden von erfahrenen Kollegen_innen aus unterschiedlichen fachlichen Disziplinen und therapeutischen Schulen verfasst. Die systemisch sexualtherapeutische Sicht überwiegt (S. 26).

Erster Teil

Der erste Teil des Buches nimmt die sexuelle Lustlosigkeit von Frauen in Augenschein. Er lockt „vom Nein zum Ja – [über] selbstbestimmte Auswege aus der Paradoxie des Wollenwollens und anderen erotischen Lebenslagen“, lässt erotische Spiel-Räume entstehen. Die Herausgeberin spricht sich für eine durchgängig ressourcenorientierte Perspektive (S. 27) auf Symptome aus.

Die Einleitung rahmt das Buch mit der Dialektik weiblichen Begehrens (S. 13ff) und thematisiert, welche Tabus aus der Emanzipationsbewegung für die Sexualität der Frau hervorgingen. Es wird Kritik (S. 21ff) an der symptomorientierten Trennung des Problems von seinen Kontexten geübt, denn dadurch würde Sexualtherapie zu früh aufhören und zu geringe Ziele gesetzt werden. Die Herausgeberin erläutert ihr Konzept des erotischen Raumes, das in vielfältiger Weise in den 11 folgenden Kapiteln aufgegriffen wird. Hervorgehoben wird, dass „Lustlosigkeit als Problem oder Mangel meistens im Zusammenhang mit einem diesbezüglichen Paarkonflikt, d.h. in einem sozialen System, das Realitäten kommunikativ aushandeln muss“, (S. 22) deutlich wird.

Im 1. Kapitel beschreibt Ulrich Clement, wie Lustlosigkeit als Kompetenz begriffen werden kann, um sexuelle Hemmung als Ressource zu verstehen, damit sich Frauen ihre Autorinnenschaft für selbstbestimmte Sexualität wieder zurückerobern und einen Sex (mit-) gestalten, der es wert ist, gewollt zu werden. Er plädiert dafür, den therapeutischen Blick nicht länger auf das Nichtkönnen zu lenken, sondern auf das Nichtwollen, genauer gesagt das So-nicht-Wollen.

Im 2. Kapitel stellt Diana Ecker die „innere lustvolle Frau“ als sexualtherapeutische Intervention vor. Sie hält kreative Methoden besonders deshalb geeignet, da das sexuelle Selbstverständnis von Frauen oft nur in Teilen bewusst ist (S. 58). Die Autorin beschreibt, wie das vorerst imaginierte, im Körper verortete und später symbolisch gestaltete Bild dieses lustvollen Anteils, während des gesamten Therapieverlaufs als Bezugspunkt dient.

Im 3. Kapitel stellt Elsbeth Frauenfeld einen erfahrungsgeleiteten, in ihrer therapeutischen Arbeit entstandenen Behandlungsansatz vor. Sie arbeitet Bedingungen heraus, die Frauen das selbstbestimmte Verfügen über den eigenen inneren Raum ermöglichen und ihrer Ansicht nach die Basis für lustvoll gelebte Sexualität bilden. Die sogenannten Funktionsstörungen sieht die Autorin für Frauen als „das letzte Mittel zur Bewahrung der Autonomie und des eigenen Raumes sowie als Verweigerung des angepassten Funktionierens und Zur-Verfügung-Stehens“ (S. 75).

In Kapitel 4 lesen wir einen Artikel der kanadischen Sexualwissenschaftlerin und Psychotherapeutin Peggy Kleinplatz aus dem Jahr 1998, übersetzt von der Herausgeberin, über Sexualtherapie bei Vaginismus. Die Autorin übt Kritik an konventioneller Sexualtherapie bei Vaginismus und stellt anhand eines Fallbeispiels ein humanistisch-erlebnisorientiertes Behandlungsmodell dar.

In Kapitel 5 lädt die Herausgeberin Angelika Eck dazu ein, den Raum der sexuellen Fantasien als Landkarte der weiblichen Erotik und Lust zu betreten. Protagonistinnen sind Frauen mit „Minussymptomen“, also Frauen, die an einem Zuwenig (Lust, Fantasien) leiden, und Frauen mit „Plussymptomen“, die am Zuviel leiden, da sie ihre Fantasien als Belastung (Fixierung, Angewiesensein) empfinden. Sie beschreibt, wie sexuelle Fantasien dafür genutzt werden können, Entwicklungsprozesse und Phasenübergänge in der Therapie zu gestalten, indem mit ihrer Hilfe Ambivalenzen, wesentliche emotionale Bedürfnisse, Überlebensstrategien, innere Konflikte und deren bisherige Lösungsstrategien sichtbar gemacht werden.

Zweiter Teil

Der zweite Teil des Buches nimmt den Körper in den Fokus und thematisiert „die Beziehung zum eigenen Geschlecht, den sexuellen und den reproduktiven Funktionen“ und welche Wechselwirkung durch diese Beziehung zur eigenen Lust entsteht.

In Kapitel 6 greift Angelika Beck die Frage auf, mit welchen (zum großen Teil unangemessenen) Bildern vom eigenen Geschlecht Mädchen und Frauen in unterschiedlichen Kontexten – sprachlich, medial und mit besonderer Berücksichtigung des schulischen Biologieunterrichts – sozialisiert werden. Die Autorin stellt Möglichkeiten vor, wie eine lustfreundliche Annäherung an den „Ort zwischen den Beinen“ ermöglicht werden kann, um Mädchen und Frauen zu ermutigen, ein eigenständiges sexuelles Profil zu entwickeln. Je vielfältiger das Wissen von Mädchen und Frauen über ihre eigene Anatomie ist, desto mehr haben sie die Möglichkeit, ihren Partnern zu verdeutlichen, dass „sie keine Waschmaschine sind, an der man nur den Knopf finden müsste, um sie in Schwingungen zu versetzen, damit sie »von Natur aus zum Penis passen«“. (S. 140)

Im 7. Kapitel findet von Aglaja Stirn und Carina Pika eine Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen und der Sehnsucht nach dem perfekten Körper statt. Die Autorinnen sprechen sich dafür aus, dass Sexualtherapie immer das Körperbild von Klientinnen berücksichtigen und gegebenenfalls auch zum Thema machen muss (S. 164). Sie schildern Prozesse der Körperbildarbeit und Rekonstruktionen des eigenen Körper- und Schönheitsbildes.

In Kapitel 8 werden von Dania Schiftan frühkindliche Sexualisierungsprozesse beschrieben. Sie differenziert Erregungstypen aus und beschreibt Zusammenhänge/Lernschritte im Bezug auf erfüllte Sexualität. Die Autorin bezieht sich auf das sexocorporelle Therapiemodell, das besonderen Wert darauf legt, das sexuelle Genießen gezielt zu fördern, indem es die eigenen körperlichen Erregungstechniken exploriert und schrittweise erweitert. Besonders entlastend ist ihre Feststellung, „dass Lust und eine erfüllte Sexualität nicht vom Himmel fallen, aber für jede Frau [und sicher auch für jeden Mann] erlernbar sind“ (S. 178).

Auch in Kapitel 9 greift Karoline Bischof auf den sexocorporellen Ansatz der Sexualtherapie zurück, der einen anschaulichen und unmittelbaren Bezug zum Körper herstellt. Die Autorin schreibt über die „Lust auf Sex durch Lust am Sex“. Sie nimmt Bezug auf den Begriff „sex worth wanting“, den Sex, der es wert ist gewollt zu werden. Die Autorin stellt unmittelbare Körperbezüge her und beschreibt anschaulich die Neurophysiologie der Erregung.

In Kapitel 10 widmet sich Johannes Bitzer aus gynäkologischer Sicht dem Thema Sexualität und Verhütung, und beschreibt Prozesse zwischen Befreiung und Entfremdung. Sein Fazit lautet, dass Frauen auch im Bereich der Gynäkologie mit sexuellen Schwierigkeiten bei der Konzeption der idealen Verhütungsmethode oft alleingelassen würden und er setzt sich für eine individualisierte Hilfe für Frauen ein.

Den Abschluss mit Kapitel 11 bildet Sibil Tschudin, welche die Frage analysiert, wie Frauen in der Zeit der Schwangerschaft und der frühen Mutterschaft mit ihrer Sexualität umgehen, welche Konfliktfelder sich dabei auftun, und was ihnen dabei helfen kann, mit ihrer Lust in Kontakt zu kommen/bleiben. Die Autorin ist in ihrer gynäkologischen Praxis vielfach die erste Anlaufstelle für diese Fragen.

Fazit

Ein vielperspektivisches, lesenswertes Buch, mit wertvollen Denkanstößen und praktischen Variationen für die sexual- und psychotherapeutische Praxis, ebenso wie für die Beratung. Der gewählte, interdisziplinäre Zugang unterstreicht die Notwendigkeit und den großen Nutzen der kollegialen Vernetzung und den fortwährenden Dialog von Experten_innen für die/in der täglichen Praxis.

Die fachliche – an einigen Stellen ob so manchen Fremdwortes fürs flüssige Lesen allzu wissenschaftliche – Sprache verdeutlicht, dass das Buch in erster Linie für den Fachdiskurs, weniger für die am Thema interessierte/betroffene Frau geschrieben ist. Ein Vorwissen über Begriffe/ Konzepte der systemischen Therapie/Beratung ist von Vorteil.

Die durchwegs nachvollziehbar beschriebenen Fallbeispiele stellen gelungene Therapieprozesse dar. Sie zeigen, dass bzw. wie es Frauen gelingen kann, herauszufinden, wofür ihr Symptom stellvertretend steht. Sie berichten von Frauen, die erforschen, ob ihre bisher gelebte Sexualität (noch) zu ihnen passt, ihren ganz persönlichen Vorstellungen, Vorlieben etc. von Lust und Erotik entspricht. Jedoch erscheint die Verfrühung zur kritisierten Oberflächlichkeit und schnellen Lösungen (S. 21ff) in diesem Zusammenhang gegeben. Manche komprimierte Fall-Darstellung vermittelt eine Geradlinigkeit im Prozess und weniger die Komplexität, den Leidensdruck, ursächliche Kränkungen und die Ver(w)irrungen der Patientinnen. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich bei Störungen der Sexualität um sehr frühe, tiefgreifende Schädigungen in der psychosexuellen Entwicklung handelt. Diesem Umstand muss in jeglichen Prozessen Be-Achtung geschenkt werden.

Von der Herausgeberin wurde betont, dass Lustlosigkeit als Problem oder Mangel meistens im Zusammenhang mit einem Paarkonflikt auftritt. Hier könnte ein Hinweis über die Beziehungsdynamik des Herkunftssystems zur Kontextualisierung hilfreich sein. Ebenso könnte die eine oder andere Bezugnahme auf bzw. (Fall-) Darstellung von Paare_n sowie Sexualität von Frauen, die in gleichgeschlechtliche Beziehungen lieben und leben, das Bild vervollständigen.

Die Eingrenzung des (umfangreichen) Themas und der Zielgruppe gibt klar den Fokus vor und erscheint durchaus legitim. Die Herausforderung der thematischen Verdichtung der jeweils gewählten Fragestellung wurde in allen Beiträgen gut umgesetzt und die Neugier aufs selbständige Vertiefen geweckt. Störend wurde es dann erlebt, wo auf durchgeführte Methoden/Übungen lediglich verwiesen und auf deren Darstellung (Ablauf/Bilder) verzichtet wurde (S. 115; S.179f). Unpassend gewählt erscheint die Grafik des Buches, – auch wenn sie sehr ästhetisch wirkt und zum Betrachten einlädt – denn sie manifestiert das kollektive Bild der Frau als (passives) Lustobjekt, und weniger als „Subjekt“, als Regisseurin ihrer eigenen Sexualität, für das dieses Buch plädiert. Es unterstreicht, dass (aktive) Lust auf Sex nach wie vor den Männern vorbehalten zu sein scheint. Ebenso wird die Durchgängigkeit einer gendergerechten Sprache vermisst.

Die Tatsache, dass durch das Vermeiden/Ausblenden/nicht Aufgreifen des Themas der Sexualität in therapeutischen Prozessen gesprächsbereite Frauen (ebenso wie Männer) einmal mehr (emotional) unbefriedigt sich selbst überlassen, alleingelassen werden, unterstreicht die Relevanz des Anliegens.

Mag.a Daniela Trattnigg, MSc  - im Mai 2016

 


Zur Autorin der Rezension

Trattnigg Daniela, geb. 1974, Mag.a, MSc, Psychodrama Psychotherapeutin (ÖAGG), Sexualtherapeutin (ÖAGG) und Supervisorin (ÖVS; ÖAGG), Theaterpädagogin (AGB), Schauspielerin/ Performerin, Obfrau des Vereines Alegria – Theater der Unterdrückten Kärnten, Seminar(beg)leiterin, Trainerin, Lebenslustköchin. Tätig in freier Praxis FREI_RAUM in Klagenfurt am Wörthersee. Praxis FREI_RAUM Mozartstraßs 54, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten, Österreich. Kontakt: daniela.trattnigg@gmx.at

 

Unterstützt von Kollegen_innen des Netzwerkes www.liebesexundtherapie.at

Interview zum Bucherscheinen: Ulrich Clement & Auer Verlag

 

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AutorIn: 

Mag. Daniela Trattnig, MSc

Buchautorin: 
Angelika Eck, Dr. sc. hum., Diplom-Psychologin; Systemische Therapeutin und Beraterin (SG), Einzel-, Sexual- und Paartherapeutin (IGST) in eigener Praxis; Dozentin an verschiedenen systemischen und anderen Weiterbildungsinstitutionen. Arbeitsschwerpunkte: Sexualtherapie, sexuelles Begehren von Frauen und Männern, Paartherapie. Kontakt: kontakt@angelikaeck.de
Lesewert: 
"Ein vielperspektivisches, lesenswertes Buch, mit wertvollen Denkanstößen und praktischen Variationen für die sexual- und psychotherapeutische Praxis, ebenso wie für die Beratung. Der gewählte, interdisziplinäre Zugang unterstreicht die Notwendigkeit und den großen Nutzen der kollegialen Vernetzung und den fortwährenden Dialog von Experten_innen für die/in der täglichen Praxis."
Rezensorin: 
Trattnigg Daniela, geb. 1974, Mag.a, MSc, Psychodrama Psychotherapeutin (ÖAGG), Sexualtherapeutin (ÖAGG) und Supervisorin (ÖVS; ÖAGG), Theaterpädagogin (AGB), Schauspielerin/ Performerin, Obfrau des Vereines Alegria – Theater der Unterdrückten Kärnten, Seminar(beg)leiterin, Trainerin, Lebenslustköchin. Tätig in freier Praxis FREI_RAUM in Klagenfurt am Wörthersee. Praxis FREI_RAUM Mozartstraßs 54, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten, Österreich. Kontakt: daniela.trattnigg@gmx.at Unterstützt von Kollegen_innen des Netzwerkes www.liebesexundtherapie.at
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Liebesliteratur

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Liebe(s) Literatur

Vom Lieben und von der Liebe lesen

 

Isabel Allende , Aphrodite

ein literarisch, kulinarisches Kochbuch, dass auch ein wahrer Augenschmaus ist

Catherine Fried, Über kurz oder lang

Es ist, was es ist … Erich Fried, ein ganz besonderer Mensch. Hier erzählt seine Frau über ihr gemeinsames Leben. Sehr liebevoll , spannend und authentisch. Wie das Leben halt so spielt.

Erich Fried, Vorübung für Wunder

Allein der Titel  begeistert … wenn´s so einfach wär …

Fritz Riemann, Die Fähigkeit zu Lieben

der Herr Riemann hatte nicht nur zum Thema Angst was zu sagen, auch das Lieben hat er unter die Lupe genommen. Ein Werk, zum diskutieren.

Irvin. D. Yalom, Die Liebe und ihr Henker

Auch Psychotherapeuten sind Menschen aus Fleisch und Blut, vor allem mit Gefühlen. Ein Psychoanalytiker beschreibt fundiert und unterhaltsam die damit verbundenen Tücken.

Sei Shonagon, Das Kopfkissenbuch der Dame

Ein Klassiker der japanischen Literatur, der Einblick in die Gedanken- und Wahrnehmungswelt von (nicht nur japanischen) Frauen gewährt.

Rafik Schami, Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkauft

Wie man wird, zu was man bestimmt ist – aus Liebe.

Ljudmila Petruschewskaja, „Sie begegneten sich, wie das so vorkommt, beim Schlangestehen in der Bierbar“

aussagekräftige russische Literatur mit Humor!

Buchautorin: 
Diverse AutorInnen
Lesewert: 
Was wäre die Literatur ohne das Thema Liebe?
Rezensorin: 
Die Zusammenstellung stammt vom AutorInnenkollektiv der Plattform und wird laufend erweitert.
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Wenn alte Liebe doch mal rostet

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Das ist schon auffällig, die Sache mit dem Alter und der Liebe. Ich stelle das Buch heute nicht vor, verwende es nur als Testeintrag in die Rezensionenliste. Inhalt kommt aber demnächst, weils wichtig ist.

Buchautorin: 
Prof. Dr. phil. Astrid Riehl-Emde, Stellvertretende Institutsleiterin des Univ. Klinikum Heidelberg,Psychosomatische Kooperationsforschung & Familientherapie; www.riehl-emde.de
Lesewert: 
Das Buch solltest du gelesen haben.
Rezensorin: 
Martin Geiger, befindet sich täglich im Alterungsprozess, fühlt sich jedoch meistens nicht so.
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Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt

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Sehr schön, wieder ein Autor, der versucht, mit Hilfe der modernen Neurowissenschaften  wichtige Facetten unseres Mensch- Seins zu erklären. Nun sind Liebe und Leidenschaft  dran, na gut...Ich bin mittlerweile schon ein bissl skeptisch geworden, wenn anhand von ganz viel „Hirnchemie“ (Dopamin, Oxytoxin, etc.) und vielen bunten Bilder von „Hirnaktivitäten“ suggeriert wird, dass damit psychologische Vorgänge, wie z.B. das Geheimnis des bewussten Erlebens, oder das Empfinden von Liebe und Glück restlos aufgeklärt werden können.

Bas Kast schafft es aber tatsächlich, die LeserInnen mit viel Humor und Selbstironie in die Labors der modernen Beziehungsforscher zu entführen und mit seinen Geschichten das Feuer von Neugierde und Interesse zu wecken

Nach einer kurzen Einführung in die Neurochemie der Liebe, bzw. der heilenden Kraft der schönen Gefühle  wird gleich mal vorweggenommen, dass verheiratete (in längeren Partnerschaften lebende) Menschen sich selbst generell als glücklicher und mit dem Sex zufriedener einschätzen als Singles .

Im ersten Kapitel widmet sich Kast dem Flirten und Anbahnen von Beziehungen (Psychodrama- Jargon : „Anwärmphase“).

Unzählige Flirt- Studien, die den Schluss nahelegen: „Es kommt nicht darauf an, möglichst interessant zu sein, sondern möglichst interessiert zu sein.“ Wahrhaftige Begegnung statt Ego- Pflege ist also angesagt und wird auch noch belohnt-Bravo!

Im Buch werden Bausteine aus der  Beziehungsforschung interdisziplinär mit Erkenntnissen aus der Evolutionsbiologie, bzw. Anthropologie verknüpft, immer in kritischem Ton und mit der Lust an der Entdeckung am Neuen, bzw. am Aufwerfen neuer Fragezeichen. Sehr sympathisch!

Interessant, im 2. Kapitel lerne ich, dass es so etwas gibt wie „Attraktivitätsforschung“. Was macht „Schönheit“ aus? Wie entsteht das Erleben von „Schön“, bzw. „ Weniger Schön“... Übrigens:  Männer bevorzugen tendenziell Frauen, die in ihrem Äußeren möglichst nahe am „typischen Frauenbild“ sind ( „Östrogene sind sexy“ S 92), während Frauen tendenziell Männer bevorzugen, die eine gute Melange zwischen „Typisch Männlich“ und Familienmensch darstellen („Supermachos sind also nicht gefragt“ S 97). Zwischendurch werden auch bei diesem Thema große Persönlichkeiten zitiert, z.B. Aristoteles („Schönheit ist besser als jeder Empfehlungsbrief“), Sappho, die griechische Dichterin auf Lesbos „wer schön ist, ist auch gut“, etc.

Besonders faszinierend: Untersuchungen über die Fähigkeit des Menschen, den „geeigneten“ Partner über (unbewusst wahrgenommene) Duftsignale zu erkennen.  Im Vorfeld der bewussten Wahrnehmung von Anziehung und Abstoßung gibt es offenbar bereits eine Vielzahl von inneren Abstimmungsprozessen, welche die äußeren Körpermerkmale (Symmetrie der Gesichtszüge), die Körperchemie (z.B. Testosteronkonzentration),  Körperausdünstungen Duftstoffe), die genetische Ausstattung, sowie die Immunkraft (als Gradmesser von Vitalität) mit einschließen.

Im Kapitel 3 und 4 geht es um die Frage, wie sich aus purer Leidenschaft auch richtige „Liebe“ entwickeln kann, sowie um das Phänomen „Eifersucht“ .

Zunächst werden die 5 Traumeigenschaften genannt, die sich als universelle (quer über alle Kontinente) Qualitäten von Wunsch- Partnern herausgestellt haben: Gegenseitige Anziehung und Liebe, Zuverlässigkeit, emotionale Stabilität, ein angenehmes Wesen und Intelligenz.

Und natürlich die Zutaten für eine langfristig gelingende Partnerschaft (2 Prinzipien):

Nämlich 1) „Gegensätze ziehen sich an“- dies gilt für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Leidenschaft und Neugierde (und im Falle von geplantem Nachwuchs wohl auch für die Optimierung des Gen- Pools). Aber eben auch 2) „Gleich und Gleich gesellt sich gern“: Partner in langfristig glücklichen Beziehungen zeichnen nicht nur gemeinsame Interessen, sondern Ähnlichkeiten in Punkto Charaktereigenschaften, Neigungen, Werte, etc. aus...

Dazu ein schönes Zitat von Nietzsche:

„ Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe- es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn“

(und vielleicht trifft das auch auf die „Liebesforschung“ zu J).

Zum Thema Eifersucht gibt es zunächst eine Annäherung über die Evolutionsbiologie: Männer tendieren bekanntlich viel häufiger zum Seitensprung, weil eine weite Streuung des Erbmaterials immer wichtig für das Überleben der eigenen Sippe war...(na gut, das wirft dann halt Fragen auf im 21. Jhdt.). Tatsache ist, dass es  in ungefähr der Hälfte aller Ehen Seitensprünge gibt, von Frauen ebenso (vor allem rund um die fruchtbaren Tage!!) und nur geringfügig häufig von Männern...

Tja und dann wäre da noch die ausführliche Schilderung der Forschungen im „Liebeslabor“ des amerikanischen Psychologen John Gottman. Berühmt sind dessen Thesen zu den „Untergangsvorboten“ von bevorstehenden Trennungen- er nannte diese „Die 5 Apokalyptischen Reiter“:

  • Verteidigung
  • Zuwendung und Unterstützung
  • Wir- Gefühl
  • Positive Illusionen
  • Aufregung im Alltag

Beim ersten Durchlesen der hier aufgelisteten angeblichen „Perlen der Liebesforschung“ fand ich die Erläuterungen (vor allem angesichts der im Vorfeld  geschilderten höchst beeindruckenden Befunde) allerdings etwas banal. Bei genauerer Selbstreflexion und Betrachtung des eigenen (oft sehr durch Banalitäten durchsetzten) Alltages fand ich dann aber doch, dass auch dieses abschließende  Kapitel sehr viel Beachtenswertes und vielleicht sogar ein bisschen „Weisheit“ beinhaltet.

 

Buchautorin: 
Bas Kast, hier auch ein Zeit Artikel zu Bas Kast, http://www.zeit.de/2004/42/SM-Liebe_B
Lesewert: 
Insgesamt kann ich dieses Buch also wärmstens zur Lektüre empfehlen, nicht nur zu Studienzwecken, sondern auch für den eigenen, vielleicht manchmal etwas verwirrenden Beziehungsalltag.
Rezensorin: 
Mag. Gilbert Suchanek
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Amor altert nicht

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...ich hab das vorliegende Buch (Amor...)  noch nicht fertig gelesen, finde es aber bisher recht brauchbar. Es ist ein Buch mit einigen interessanten Übungen darin, es gibt auch eine website dazu, wo noch mehr Sachen zum download bereit stehen.

Link zum Verlag

Buchautorin: 
Dr.in Elisabeth Drimalla ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, ärztliche Psychotherapeutin. Sie arbeitet als Einzel- und Gruppenpsychotherapeutin sowie als Paar- und Sexualtherapeutin in Hannover.
Lesewert: 
Ich gebe **** (von 4/5 Sternen), weil das Thema kompakt dargestellt wird und weil es auch Übungen dazu gibt!
Rezensorin: 
Martin Geiger, Mistelbach
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