Sexualtrieb bei Männern stärker?

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Haben Männer tatsächlich einen stärkeren Sexualtrieb als Frauen? Haben sie mehr Testosteron und deshalb?

Nein. Erst einmal spricht die neueste Sexualforschung von Erregungsreflex. Und der ist, genau wie z.B. der Saug- und Greifreflex, bei allen Menschen, unabhängig vom Geschlecht, angeboren. Er bildet sich bereits pränatal aus: Dreidimensionale Ultraschallbilder belegen, wie es bereits bei Ungeborenen zu Erregung kommt, was bei männlichen Ungeborenen gut an einem steifen Glied erkennbar ist. Bei weiblichen Föten funktioniert der Reflex ganz genauso, ist aber aufgrund der weiblichen Anatomie nur nicht so augenfällig.

Wie stark ein Mensch erregbar ist, wie schwer oder leicht er zum Orgasmus kommt, das ist dann Training und hängt von der Bindungserfahrung ab, die der kleine Mensch in seiner Familie macht. Kaum auf der Welt, beginnen Mädchen und Jungen gleichermaßen an sich zu spielen. Wenn sie hochgehoben werden oder hin- und hergeschwungen werden, jauchzen sie vor Erregung. Später wird durch Hüpfen, Springen, Schaukeln des Beckens der Beckenboden trainiert und dieses genitale Fühlen im Hirn gespeichert. Erlebt ein Kind diese Spiele mit und bei liebevollen, zugewandten Eltern, werden sie später tiefer und freudvoller Liebe machen können.

Bedauerlicherweise ist dieses Wissen sehr wenig verbreitet und Kinder werden nach wie vor häufig mit strengen Blicken oder Verboten bedacht, wenn sich kleine Mädchen z.B. lustvoll an die Sofalehne pressen. Der Züricher Sexologe und Psychiater Peter Gehring: „Keine menschliche Entwicklung wird so wenig verstanden, unterstützt, begleitet und verstanden wie die Sexualität. Während die ersten Gehversuche mit viel Emotionalität und Zuspruch begleitet werden, rufen die ersten Erkundungen auf genitaler Ebene nach wie vor zwiespältige Gefühle hervor.“

Aber: Bindungsfähigkeit und sexuelle Erregbarkeit kann bis ins hohe Alter weiter gelernt und trainiert werden.

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